Die begehrte Ernennung zur Kulturhauptstadt Italiens 2022 wurde zum ersten Mal an eine Insel vergeben – ein reizvolles Reiseziel und ein Ort der Begegnung, der die Besucher verzaubern wird: Die farbenfrohe Insel Procida setzte sich im Finale gegen neun andere italienische Städte durch.

Im Golf von Neapel gelegen, gilt Procida zusammen mit den glamourösen Nachbarinseln Capri und Ischia als Geheimtipp unter den weniger bekannten Urlaubszielen in Italien. Die nur 4,1 Quadratkilometer große Insel mit knapp 10.000 Einwohnern ist von Neapel aus in weniger als einer Stunde mit dem Boot zu erreichen. Einmal angekommen, erfreut sie ihre Gäste mit malerischen Dörfern, verträumten Badebuchten und einer Vegetation, die aufgrund ihres vulkanischen Ursprungs reich an Kakteen, Feigen- und Zitrusbäumen ist.

Procida UNESCO
@Campania Tourism

Ein wirklich einzigartiges Bühnenbild

Mit ihren bunten Häusern und idyllischen Stränden hat Procida schon oft als Filmkulisse gedient. Viele Schauspieler und Regisseure haben sich im Laufe der Zeit in Procida verliebt und hier denkwürdige Szenen im internationalen Kino gedreht. Besondere Erwähnung verdienen „Il Postino“ von Michael Radford mit Massimo Troisi sowie „Der talentierte Mr. Ripley“ mit Matt Damon. Ein weiterer Beweis für den absoluten Charme von Procida war 2015, als Apple und Microsoft Bilder des farbenfrohen Inseldorfs wählten, um die Farbwiedergabe der Bildschirme für das iPhone 6S (Jobs) und das SurfacePro4-Tablet (Gates) zu unterstreichen. Sobald die Fähre angelegt hat, werden Sie dem Charme dieser Orte, wo die Luft nach Salz riecht und winzige Gassen mit schmalen Stufen in die erstaunlich bunte Stadt führen, nicht mehr widerstehen können.

Das bewohnte Gebiet ist in neun Ortsteile unterteilt: Corricella (das Fischerdorf, das sich im Meer spiegelt) ist vielleicht der bekannteste und eindrucksvollste. Aber nehmen Sie sich die Zeit, auch alle anderen zu entdecken. Viele sind der Meinung, dass der schönste Anblick vom Callìa Belvedere aus genossen werden kann. Es bietet einen unvergleichlichen Blick über das Meer mit der Insel Capri im Hintergrund. Die Abtei von San Michele Arcangelo (dem Schutzpatron von Procida) ist einen Besuch wert. Sie wurde 1026 gegründet und im Laufe der Jahrhunderte ausgebaut. Der heutige Bau wurde Mitte des 16. Jahrhunderts von Kardinal D’Avalos in Auftrag gegeben. Im Untergeschoss befindet sich eine ständige Krippe aus dem XVIII. Jahrhundert mit Figuren aus Holz und Terrakotta, die von Meisterhandwerkern aus Neapel hergestellt wurden.

Capital of Culture, Procida
@anakena88/Campania Tourism

Der Veranstaltungskalender wird ständig aktualisiert

Am 22. Januar 2022 wurde das Kulturhauptstadtjahr unter dem Motto „Cultura non isola“ – „Kultur isoliert nicht“ eröffnet. 44 Kulturprojekte und 240 teilnehmende Künstler an acht Veranstaltungsorten bieten 330 Tage lang ein vielfältiges Programm. Unter fünf Leitthemen werden Ausstellungen, Filmvorführungen, Aufführungen und inspirierende Kulturprojekte zu sehen sein. Zu den Höhepunkten des Programms gehört die „Biennale junger Künstler aus Europa und dem Mittelmeerraum“ von April bis September. In der Veranstaltungsreihe „Oper(A)mare“ werden vom 3. bis 25. Juni zwei Opern mit dem Chor der Fondazione Teatro San Carlo aufgeführt. Es besteht die Möglichkeit, die Aufführungen sogar von einem Boot oder einem der Balkone mit Blick auf die Marina di Corricella zu besuchen. Weitere geplante Termine sind „ArteCinema“ vom 1. bis 3. Juli mit Dokumentarfilmen über Banksy, Picasso, Marina Abramovich und Renzo Piano. „MarEtica“ vom 8. bis 11. September ist eine vom italienischen Schriftsteller Alessandro Baricco ins Leben gerufene Veranstaltung, die Literatur, maritime Themen und die nautische Tradition der Insel miteinander verwebt. Zu den kritischen gesellschaftlichen Debatten gehören auch Themen wie die soziale Eingliederung. Historische Orte, wie der Palazzo d’Avalos, der bis 1988 als Gefängnis diente, werden ebenfalls vorgestellt.

Mit dem Status als Kulturhauptstadt wird die kleine Insel mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Gleichzeitig möchte sie in dieser Rolle ein Symbol für einen entschleunigten Tourismus sein, bei dem die Nachhaltigkeit und der verantwortungsvolle Umgang mit den Bewohnern und der Umwelt im Vordergrund stehen und nicht der Massentourismus.